Wolfgang Sawallisch

Wolfgang Sawallisch – einer der wichtigsten Dirigenten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – führte jahrzehntelang ein von weiten Reisen bestimmtes Leben. Als „Zuhause“ jedoch galt stets das Anwesen am Kuchelner Berg in Grassau: seit Jahrzehnten war er in dieser Chiemgauer Marktgemeinde beheimatet. Sein Aufenthalt hier stellte eine Konstante dar, die mehr als 50 Jahre währte. Er bezeichnete sein Heim in Grassau einmal als „Refugium, als eine Alternative zum ewigen Hotelleben.“

Die Bindung an seinen Wohnort manifestiert sich nicht nur in der Gründung der nach ihm benannten Stiftung, die dem regionalen Musikleben zugute kommt, sondern auch darin, dass die Marktgemeinde Grassau Wolfgang Sawallisch nach seiner Rückkehr aus Philadelphia zu ihrem Ehrenbürger ernannte. Die Urkunde erhielt er im Rahmen des Gründungskonzerts der „Wolfgang Sawallisch-Stiftung“ am 25.10.2003. Darin heißt es:

Prof. Wolfgang Sawallisch, einer der führenden Dirigenten unserer Zeit, hat sich die Förderung des gemeindlichen Musiklebens zu seiner Herzensangelegenheit gemacht. Besondere Verdienste hat er sich um die Musikschule Grassau erworben. Mit seiner großzügigen Unterstützung über viele Jahre hinweg ermöglicht er nicht nur die Förderung musikbegabter Kinder und Jugendlicher und die Anschaffung von Musikinstrumenten, sondern vermittelt mit Blick auf seine Person vielen jungen Menschen die Überzeugung, dass musikalische Ausbildung einen Wert hat, der dem eigenen Leben Sinn und Freude gibt. Mit der Ernennung zum Ehrenbürger würdigt der Markt Grassau sein bisheriges und in die Zukunft wirkendes Engagement für die Gemeinde, in der er als Kosmopolit zu Hause ist.

Mit großem Interesse und tiefer Freude erlebte Wolfgang Sawallisch die Einweihung des neuen Musikschulgebäudes im Februar 2007. Regelmäßig ließ er sich über die Entwicklungen der Musikschule Grassau berichten und zeigte stets großes Interesse an den Menschen, die der Stiftung verbunden sind.

Vita

1923 Geboren am 26. August in München
Ab 1928 Klavierunterricht, Schulbesuch und Privatstudien bei Wolfgang Ruoff (Klavier) und Prof. Dr. Hans Sachse (theoretische Fächer)
1946 Studium an der Staatlichen Musikhochschule München unter Leitung von Prof. Joseph Haas; Staatsexamen; danach Tätigkeit als Pianist und Beginn der Dirigentenlaufbahn an den Städtischen Bühnen Augsburg
Ab 1953 Positionen als Musikdirektor in Aachen, Wiesbaden und Köln; an der Kölner Musikhochschule leitete er als Professor eine Dirigier-Meisterklasse
Ebenfalls 1953 als jüngster jemals eingeladener Dirigent am Pult der Berliner Philharmoniker
1957-1962 Dirigent der Bayreuther Festspiele
1960-1970 Hamburgischer Generalmusikdirektor und Erster Dirigent des dortigen Philharmonischen Staatsorchesters; gleichzeitig Chefdirigent der Wiener Symphoniker (beide Orchester ernannten ihn zum Ehrenmitglied und Ehrendirigenten)
1973-1980 Directeur Artistique des Orchestre de la Suisse Romande in Genf
1971-1992 Bayerischer Generalmusikdirektor, 1982 auch künstlerischer Gesamtleiter der Bayerischen Staatsoper (Ehrenmitglied ab 1992)
1993-2003 Music Director des Philadelphia Orchestra in den USA.
Häufige Zusammenarbeit mit dem NHK-Orchester in Tokio, dem Orchestra Nazionale di Santa Cecilia in Rom, dem Orchestra Filarmonica della Scala in Mailand, dem London Symphony und dem Philharmonia Orchestra London, dem Orchestre de Paris, dem Concertgebouw Orchestra, den Wiener Symphonikern und dem Israel Philharmonic Orchestra.
2013 verstorben am 22. Februar in Grassau

Weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen zu Wolfgang Sawallisch, zur Sawallisch-Stiftung und zur Musikschule Grassau u.a. sind dem Buch „Das Musikleben in Grassau und Rottau“ von Uta Grabmüller zu entnehmen (Band 2 der Geschichte der Marktgemeinde Grassau. Hrsg.: Marktgemeinde Grassau, 2008, Bezugsquelle: Robert Höpfner, Ortschronik Grassau, Tel. 08641/4008-11 )

Bibliografie:

Eine Liste mit zahlreichen Literaturhinweisen zu Wolfgang Sawallisch kann nachfolgend als PDF-Datei heruntergeladen werden: www.sawallisch-stiftung.de/daten/literaturhinweise.pdf

Desweiteren finden sich in Wikipedia Deutschland auch ein ausführlicher Eintrag zu Wolfgang Sawallisch.

Diskografie:

Das Werk von Wolfgang Sawallisch ist in nahezu 500 Tonaufzeichnungen dokumentiert. Deren vollständige Zusammenstellung weist der OPAC-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek auf: http://portal.dnb.de

Eine Auflistung von ausgewählten, außergewöhnlichen Tonaufzeichnungen ist in der englischsprachigen Wikipedia verfügbar: http://en.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Sawallisch#Recording_highlights