Kent Nagano und seine Musiker spielen für die Wolfgang Sawallisch-Stiftung

Der Abend des 9. März in Grassau gehörte voll und ganz dem Bayerischen Staatsorchester. Das vierte Benefizkonzert unter Leitung von Kent Nagano zugunsten der Wolfgang Sawallisch-Stiftung übertraf alle Erwartungen.

Zu Beginn sprach der Vorsitzende des Stiftungsvorstands, Hubert Kamml, dem Dirigenten und Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper, Kent Nagano, großen Dank aus. Darin schloss er die Musiker des Staatsorchesters, alle Förderer der Stiftung und die vielen ehrenamtlichen Helfer, die den Abend routiniert organisiert hatten, ein. Auch würdigte er das Engagement der Marktgemeinde Grassau für die Musikschule. Unterstützt von allen Fraktionen gebe sie, so Kamml, mit ihrem jährlichen Zuschuss für die Musikschule eindeutig einen starken Impuls für Jugendförderung und kulturelle Bildung. Grassau setzt hier Maßstäbe.

Zum Programm: Es umfasste das Duett-Concertino für Klarinette und Fagott mit Streichorchester und Harfe von Richard Strauss, die Serenade c-Moll KV 388 von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schuberts Symphonie Nr. 5 B-Dur D 485 – also ein Programm mit stark kammermusikalischem Akzent.

Die Strauss-Komposition zeigte die beiden Solisten Andreas Schablas (Klarinette) und Moritz Winker (Fagott) in einem schönen, schwebenden Dialog über der zurückhaltend, aber präzise und feinfühlig gespielten Begleitung des Orchesters.

Das Mozart-Oktett war besetzt mit Ulrich Becker und Heike Steinbrecher an der Oboe, mit Andreas Schablas und Jürgen Key an der Klarinette, mit Johannes Dengler und Christian Loferer am Horn sowie mit Tobias Pelkner und Katrin Kittlaus am Fagott. Oktett bedeutet achtfache Stimmführung – und die vier verschiedenen Blasinstrumente mit so unterschiedlicher Klangfarbe wurden in ihrer doppelten Besetzung mit absoluter Beherrschung gespielt, so dass ein erstaunlich homogener Klang im Zusammenspiel entstand.

Die fünfte Symphonie von Franz Schubert bot Gelegenheit, Kent Naganos sparsame, aber markante Gestik bei der Orchesterführung zu beobachten. Sie ist von großer Energie getragen und braucht dennoch nur Akzente zu setzen im Spiel der Musiker, welche perfekt agieren und Exaktheit mit subtiler, eindrucksvoller Emotion verbinden. Auch die Schubert-Symphonie trägt kammermusikalische Züge, verzichtet sie doch auf Schlagwerk und Blechbläser. Ausgenommen sind zwei Hörner, die – eine feine Pointe bei der Programmwahl – von den beiden erfolgreichen Absolventen der Musikschule Grassau gespielt wurden, nämlich den Hornisten Johannes Dengler und Christian Loferer. Sie sind seit 1993 bzw. 2005 Mitglieder des Bayerischen Staatorchesters.

Kent Nagano berichtete zu Beginn des zweiten Teils des Konzerts von der schwierigen laufenden Probenarbeit in München, die die Musiker in Atem hielten. Und dennoch seien sie alle mit Freuden zum Benefizkonzert für die Sawallisch-Stiftung aufs Land gefahren. Während einerseits die Vorbereitungen für die „Walküre“-Inszenierung liefen, habe man sich sorgfältig auf das Grassauer Konzert vorbereitet. Er selbst erlebe bei seiner Arbeit noch immer die anhaltende Stärke und visionäre Kraft, die Wolfgang Sawallischs in seiner Zeit als Generalmusikdirektor von 1972 bis 1993 dem Münchner Orchester mitgegeben habe; noch heute sprächen ihn Musiker darauf an. Und er freue sich, dass sogar die jüngeren und ganz jungen Orchestermitglieder etwas von dieser Wirkung im Orchester spürten.

Hier deckt sich sein Empfinden stark mit dem Anliegen Sawallischs, der Jugend die Möglichkeit zu geben, durch eigene Erfahrung die Schönheit der Musik zu suchen und ihre Stärke selbst zu erleben. Wolfgang Sawallisch nahm mit großer Freude und Aufmerksamkeit an diesem Abend teil. Er sprach zum Schluss ebenso humorvoll wie geistreich über den gelungenen Abend, über das besonders interessante Programm, über seine Freundschaft mit Kent Nagano und über die alle Anwesenden verbindende Liebe zur Musik. Er wandte sich an das Publikum mit dem zuversichtlichen Hinweis, dass gewiss im kommenden Jahr das Bayerische Staatsorchester zum fünften Mal in der „Grassauer Konzertreihe“ begrüßt werden könne. Allseitiges Kopfnicken lässt entsprechende Hoffnungen keimen.

Die Benefizkonzerte des Bayerischen Staatsorchesters sind eine willkommene, sehr große Unterstützung für die Wolfgang Sawallisch-Stiftung: Heuer darf sie sich über einen Reinerlös von 20.000 Euro freuen.

Text: Uta Grabmüller, Fotos: Angeline Bauer, Mix