Sieben kleine Geigen, zwei kleine Bratschen, zwei kleine Celli und zwei kleine Kontrabässe werden aus ihren Kästen und Etuis gehoben. Bis jedes Kind seinen Stuhl, seinen Notenständer, sein Notenheft zurechtgerückt hat, bis der Bogen sorgsam mit Kolophonium bestrichen ist und bis alle Instrumente gestimmt sind, wenden die Musiklehrer Sabine Weiskirchner, Otto Dufter und Karoline Strobl schon einige Geduld auf. Nach fünf Stunden Schule ist der Bewegungsbedarf der Neunjährigen groß. Auch ist noch manches ungewohnt für die Kinder: sie alle fangen ohne Vorkenntnisse an mit dem gemeinsamen Unterricht an den Streichinstrumenten.
Wenn dann aber die Lehrer „Bruder Jacob“ ansagen oder den flotten „Leersaiten-Rag“, kehrt Konzentration ein. „Und es klingt erstaunlich gut,“ findet Otto Dufter, der sich um die Kontrabässe kümmert. Sorgfältig und mit geschickten Eselbrücken erläutert die Geigerin Sabine Weiskirchner wiederholt die Fingerhaltung der Bogenhand: „Der Papageienschnabel beißt sich am Griff fest …“
Die Musikschule Grassau mit ihren Außenstellen Marquartstein, Reit im Winkl und Bernau beschreitet damit einen neuen Weg in der frühen Musikerziehung. Das Klassenmusizieren setzt keinen Instrumental-Einzelunterricht voraus, sondern beginnt mit der ganzen Gruppe neu am Instrument.
Klassen für Blasinstrumente gibt es bereits an allen Musikschul-Standorten und in Aschau mit den Lehrern Hans Nothegger, Capucine Mühlbauer, Wolfgang Diem, Christine Gassner, Hans Schmuck, Rupert Kamhuber, Benedikt Paul und Stefanie Menter. In den kommenden zwei Jahren soll nun eine Streicherklasse aufgebaut und im Ensemblespiel geschult werden. Nach einer speziellen Fortbildung in der Rolland-Methode hat die Geigenlehrerin Sabine Weiskirchner sich entschlossen, die Einführung des Klassenmusizierens für Streicher an der Musikschule Grassau zu leiten.
Die Österreicherin Dr. Sabine Weiskirchner bringt dafür eine besondere Qualifizierung mit. Ihr Studium schloss sie mit dem Diplom für Violinpädagogik ab; es folgte ein Promotionsstudium in Musikwissenschaft. Sie hat eine multimediale Geigenschule erarbeitet, die 2008 mit dem Theodor Körner-Preis ausgezeichnet wurde. Sabine Weiskirchner tritt vielfach selbst als Solistin oder Konzertmeisterin auf.
Am Klassenmusizieren schätzen die Musikpädagogen die ganzheitliche Förderung der Kinder. Durch die Freude am gemeinsamen Musizieren verbessern sich Motorik, Konzentrationsfähigkeit und Sozialverhalten. Das Klassenmusizieren in der Grundschule ermöglicht zudem neue Integrationswege für Kinder verschiedener Herkunft. Dass an der Musikschule in Grassau diese Chancen auch auf dem schwierigen Weg des Klassenmusizierens mit Streichinstrumenten genutzt werden, unterstützt die Wolfgang Sawallisch-Stiftung nachdrücklich. Und natürlich freut sie sich über weitere Spenden, die die Ausgaben für die Streichinstrumente wieder ausgleichen helfen, damit andere Stiftungszwecke nicht zu kurz kommen.







